Handhabungstechniken und die verzögerte Sterblichkeit von zurückgesetzten Fische!

Zusammenfassung aus der Studie von:

 „Muskie“ Rod Ramsell ist ein Fischereispezialist der im U.S. Staat Minnesota bei dem Ministerium für Natur Ressourcen in der Abteilung Fischerei tätig ist.

 

The Real Deal - Handling holds and delayed mortality by Rod Ramsell aus Esox Angler Magazine Vol. 5 Fall Issue No. 4


Überall wo Wir angeln trägt das zurücksetzen (C&R) von gefangenen Fische einen äußerst wichtigen Teil zu dem Fortbestehen der von uns so hochgeschätzten Kreatur bei.

 

Drehen wir die Uhr zu den 60er Jahren und noch weiter zurück, so wurde da jeder massige Fisch geerntet. Die durch Angler verursachte Sterblichkeitsrate war damals nahezu 100%! Heutzutage können viele von uns Beispiele aus eigener Erfahrung benennen von geangelten Fischen die das zurücksetzen überlebt haben und wieder gesehen oder gefangen wurden. Wir wissen alle das Catch & Release funktioniert. Wir müssen aber auch akzeptieren dass nicht jeder zurück gesetzten Fisch überlebt. Auch wenn die Überlebensrate beim Zurücksetzen nur 10% betragen würde, so wäre das noch immer viel besser als keinen massigen Fisch zurückzusetzen. Versteht mich hier bitte nicht falsch denn ich will damit nicht sagen, dass die Überlebensrate nur 10% beträgt, wenn sie doch viel höher ist als das.

Wie hoch ist sie genau?

Nun, ich werde nicht versuchen eine definitive Zahl zu nennen wenn doch tatsächlich die Überlebensrate von zurückgesetzten Fischen an verschiedenen wechselnden Faktoren (Variablen) gekoppelt ist. Die Variablen können von Gewässer zu Gewässer und von Geografischer-Region zu Geografischer-Region verschieden sein. Die Variablen können Jahreszeiten bedingte Klimaveränderung, tägliche Wetterveränderung, die Eigenschaften des Wassers wie z. B. Sauerstoff und Temperatur, der Physische Zustand des Fisches bevor dem Fang, das Ausmass der Hakenverletzung und natürlich der physiologische (Körperliche) Stress dem der Fisch ausgesetzt

Weitere sehr wichtige Variablen die eine kritische Rolle bei dem Überleben des Fisches mitspielen, sind Handhabungstechniken, und das Können und die Erfahrung eines jeden einzelnen Anglers der seine Fische zurücksetzt.

 

Wie können wir also die Überlebensrate von Fische die wir zurücksetzen erhöhen?

Ganz einfach muss beim Umgang mit den Fischen das Wohl der Fische immer an erster Stelle stehen. Das bedeutet, dass wir Angler "unser Ego bereits am Bootssteg überprüfen" sollten und den Stress den wir diesen Fischen zumuten auf ein Minimum reduzieren.

 

Ein der effektivste Weise wie das geschehen kann ist durch das verbessern der Handhabungstechniken eines jeden Anglers!

Es gibt Dutzende von Stressfaktoren denen Fische an jedem Tag ihres Lebens ausgesetzt sind.

Angeln ist ein unnatürlich vorkommender Stressfaktor dem die Fische ausgesetzt werden als Resultat unserer Teilnahme an dem Freizeitsport den wir alle so lieben. Ich hoffe doch das es allen Anglern unmittelbar klar ist, das die beste Weise die Überlebenschancen eines zurückgesetzten Fisches zu maximieren darin liegt, den Fisch gar nicht erst aus dem Wasser zu nehmen.

 

Im Gegensatz zu uns ist es Fischen nicht möglich beim Atmen den Sauerstoff direkt aus der Luft zu gewinnen. Sie müssen im Wasser sein um den aufgelösten Sauerstoff zu atmen.

Werden diese Fische nun aus dem Wasser gehoben so werden sie einem immensen Stress ausgesetzt, ähnlich wie wenn unsere Köpfe unter Wasser gesteckt werden. Wenn man das vor Augen hält, so muss es nun jedem Angler, unabhängig vom Erfahrungsgrad klar sein, das die beste Methode den Fisch zurücksetzen erzielt wird wenn der Fisch während er in unserer Obhut ist erst gar nicht aus dem Wasser entfernt.

Nur hierdurch kann eine Maximierung der Überlebensrate erzielt werden. Durch diese Behandlungsweise wird die Erholungsphase die der Fisch benötigt um seine Körperchemie wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, erheblich verkürzt.

 

Auch zu bedenken ist wie gebrechlich die Kiemenlamellen sind. Diese neigen dazu bei der Entnahme des Fisches aus dem Wasser zusammenzufallen.

Die Kiemenlamellen sind auch äußerst Temperaturempfindlich. Extreme Temperaturen können ein vertrocknen oder einfrieren dieses Gewebes bewirken, was zur Folge hat das der Fische nach dem zurücksetzten eine schwerwiegende Beeinträchtigung seiner Atmung erleidet. Um einerseits Verletzungen an diesen empfindlichen Organen zu verhindern, aber anderseits trotzdem den Moment mit dem Fisch festzuhalten, können wir ein Foto vom Fisch im Wasser schießen während wir ihn releasen.

Wenn ihr die besten Angler der Welt beeindrucken wollt, so zeigt ihnen ein gutes Foto von einem "Wasser - Release"!

Haltet euch Bitte vor Augen, ihr habt den Fisch soeben beim Drill erschöpfenden Bewegungen ausgesetzt während er am Ende eurer Schnur war. Diese erschöpfenden Bewegungen haben einen Sauerstoff Unterversorgung des Kreislaufs zur Folge. Die Zellen im Körper verlangen nun nach Sauerstoff im erhöhten Masse. Die einzige Weise wie der Fische an Sauerstoff kommen kann ist wenn er sich im Wasser befindet. Wird das Bild nun schärfer?

Wenn ihr immer noch Probleme habt es euch vorzustellen lasst uns folgendes Beispiel durchgehen:

(Symbolbild Quelle Internet)
(Symbolbild Quelle Internet)

Rennt 3-mal um den ein Sportfeld und wenn ihr dann endlich die Ziellinie überquert habt und nach Luft ringt, begrüßt euch ein Freund mit einem Kübel voller Wasser in den er euren Kopf Unterwasser hält.

 

 

 

So nun sagt mir bitte wie viel Fotos sollte ich eurer Meinung nach nun knipsen und wie lange sollte die Fotosession dauern um diesen Denkwürdigen Moment für dich festzuhalten?

 

Der Physiologische Stress den euer Fang ausgesetzt wird ist ähnlich!

Wenn ihr in den Sommermonaten angelt, so wird die Regeneration eines Fisches der ermüdender Bewegung ausgesetzt wurde kompliziert durch das gegenteilige physischem Verhältnis von Wasser Temperatur und aufgelöstem Sauerstoff. Umso höher die Wassertemperatur umso geringer der Anteil an gelöstem Sauerstoff den das Wasser in der Lösung halten kann. Bei Kaltblütern wie es Fische sind, steigt mit der Wassertemperatur auch die Geschwindigkeit des Stoffwechsels an.

Betrachten wir die Auswirkung von erschöpfender Bewegung der sie am Ende unserer Angel ausgesetzt werden. Euer geangelter Fisch verlangt nun nach Sauerstoff in einem weitaus höherem Mass als im Normalzustand, nur gibt das Wasser bedingt durch die Temperatur und den gelösten Sauerstoff darin nicht genug her um eine schnelle Erholung der Fisches zu unterstützen. Deshalb wird ein weitaus längerer Zeitraum zur Regeneration benötigt, da die Sauerstoffversorgung viel schlechter funktioniert als bei kaltem Wasser.

 

Ausser der Sauerstoff Unterversorgung birgt das Entfernen des Fisches aus dem Wasser noch andere Gefahren für den Fisch und dem erfolgreichen zurücksetzen. Fische kommen von einem Lebenselement das viel dichter ist als die Luft in der wir leben. Das Lebenselement Wasser in einem Fische seiner Welt bietet ist eine Stütze und Schutz für den Körper. Ohne diese Stütze wird der Fisch anfällig für andere physiologische Stressfaktoren.

Ein vertikales Halten übt einen immensen Stress auf die mechanische Physiologie des Fisches aus.

(Bilder Quelle Internet)

Sollte nun ein Fisch noch aus der vertikalen anfangen zu schlagen, so ist ein bleibender Schaden der mit dem verzögerten Tod des Fisches endet fast garantiert.

 

Während eine kurzweiliges vertikales halten eines Fisches vielleicht nicht mit dem Tod des Fisches endet, umso wahrscheinlicher ist es, dass ein vertikales hängen, je länger es dauert, einen Schaden an der Wirbelsäule und dem Verbindungspunkt zwischen Wirbelsäule und Schädel des Fisches verursacht.

(Quelle Internet)
(Quelle Internet)

Wie bereits erwähnt sind die inneren Organe von Natur her sehr elastisch. Jedoch sind die Organe wie die Leber, Milz und Gallen- und Schwimmblase sehr empfindlich und können durch den Druck der Hand auf einen konzentrierten Punkt entweder gequetscht werden das Blutergüsse entstehen oder sogar platzen. Gerade bei grossen und schweren Fische ist dies ein immenses Risiko!

 

(Quelle Internet)
(Quelle Internet)

Wenn der Fisch nur ein wenig mehr Schräg gehalten wird und dabei ein wenig zur Seite gedreht ist, so wird der Druck reduziert und die Verletzungsgefahr für die Organe sinkt.

 

 

Der Druck verteilt sich nun auf der muskulösen Seitenflanke anstelle von den weichen Organen.

Die beste Weise einen Fisch zu halten ist Horizontal indem man den ganzen Unterarm der stützenden Hand nutzt um den Fisch zu stützen ähnlich wie eine Wiegehaltung bei Kleinkindern (hierbei ist darauf zu achten das keine Kleidung den Unterarm bedeckt, oder man den Fisch an die Kleidung presst, so dass die Schleimhaut abreibt), wobei die Kontrollhand in der Gegend an der Seite des Schädels greift.

Ich möchte hier aber nochmals betonen dass ich diese Haltetechnik nur als die bessere von zwei schlechten Möglichkeiten ansehe. Denn jedes Mal wenn ein Fisch aus dem Wasser genommen wird ist der Verlust der Schleimhaut welche den Fisch von Bakterien und Viren im Wasser schützt ein zusätzlich als zusätzlicher Faktor zu bedenken. Dies ist vor allem in den Wärmeren Sommermonaten wichtig denn dann sind die Populationen der Wasserorganismen am stärksten vorhanden.

(Bild links: Quelle Internet)

Wenn ihr also mit einem Foto eures Fanges imponieren wollt, so reduziert die Handhabungsdauer und zeigt uns den Fisch im Wasser!!!

Rod Ramsell


Nachdem ihr diesen Artikel gelesen habt, schaut euch doch einfach mal ein paar eurer alten Fotos an und seid eurer eigenes Gericht und Jury. Denn, wenn ihr alle wirklich um das Wohl und dem Überleben dieser Fische, denen wir alle so gerne nachstellen, besorgt seid, dann benutzt euer gesunder Menschenverstand , euer Gewissen und eure Hingabe diesem Prachtvollen Tieren gegenüber die Überzeugungsarbeit für mich leisten.

 

Einige von euch werden das durchmachen was ich die Evolution des Anglers nenne. Ihr werdet einige Lernprozesse am eigenen Leib erfahren. Es liegt in der Natur des Menschen seine Errungenschaften mit seinem Umfeld zu teilen um zu sehen wer der Beste ist oder wessen Fisch der grösste ist.

 

Niemand war jemals Perfekt in seiner Fischhandhabungskarriere, auch ich nicht!

 

Ich weiß nun, dass auch ich in den letzten Jahren in denen ich nun Fische handhabe, in meinen frühen Jahren eine Anzahl von Fehlern gemacht habe. Ich habe von diesen Fehlern gelernt und werde diese bestimmt nicht noch einmal machen.

Egal wie sehr wir uns auch bemühen werden wir nie ein Hundertprozentiges Überleben von zurückgesetzten Fischen erreichen. Jeder einzelne Fisch hat unterschiedliche Stresstoleranzen oder einen Willen zum Überleben.

 

Kleinere Fische sind Widerstandsfähiger gegenüber dem Stress des Zurücksetzens als Grosse. Manchmal hat ein alter Fisch der in den letzten Abschnitt seines Lebens steht bei dem Drill auch sein letzte Energiereserve verbraucht als sich rausstellte das was vorher wie eine leichte Mahlzeit aussah am Ende einen Haken hatte.

Egal wie sehr wir es probieren, wir werden es nicht schaffen einen Fisch wieder zu beleben der vom Anfang an in einer schlechten Gesundheitlichen Verfassung war.

 

Als Gruppe gesehen haben wir Angler noch bedeutsam viel Platz für Verbesserungen bei unseren Fisch-Handhabungstechniken. Wenn wir wirklich um das Wohl des Fisches besorgt sind wie wir es alle behaupten, so lasst es uns doch richtig machen.

 

Ein dickes Petri

Silu

 

Auf Wunsch vieler hab ich hier eine wenig kürzere, verallgemeinerte Version der Ramsell Studie zusammengefasst. Die deutsch übersetzte Original Studie findet ihr hier:

Download
Handhabungstechniken und die verzögerte
Adobe Acrobat Dokument 357.5 KB