Von "0" auf "100"!


"Gehst du schon auf Wels angeln auf dem Murtensee?" wurde ich im März gefragt. "...wo gehst du auf Wels im Frühjahr?" war die nächste Frage! "Möchte mal Ende April mit einem Kumpel gehen!" und "wo würdest du empfehlen?" - "möchte dieses Jahr mal anfangen den Wels zu beangeln, habe mir die ganze Ausrüstung gekauft!"

 

...so oder ähnlich bekomme ich viele Anfragen von "angehenden"  Welsfischer! Grundsätzlich habe ich absolut kein Problem damit und beantworte auch alle Anfragen freundlich und korrekt! Im Gegenteil, es freut mich sehr und ehrt mich auch, dass ich mit meiner Leidenschaft zum Wels - Angeln auch andere Fischer begeistern kann. Die, die mich näher kennen wissen, dass ich gerne bereit bin mit Tipps auszuhelfen, um einen Traumfisch zu fangen!

Das Welsangeln boomt. Immer mehr fischvernarrte Verrückte nehmen den mysteriösen Bartelträger ins Visier und versuchen ihren ganz persönlichen Traumfisch auf die Matte zu legen.

 

Ähnlich ist es auch mir ergangen und so widme ich, die mir zu Verfügung stehende Freizeit seit einigen Jahren fast ausschließlich den Siluren. Dieser Fisch war für mich schon immer ein Mythos. Umschlungen von den abenteuerlichsten Erzählungen vieler älterer Angler die ich seit meiner frühesten Kindheit kennenlernen durfte, schien ER das geheimnisvolle Ungeheuer unserer Flüsse und Seen zu sein. Hatte ich diese Fische früher als nahezu "ungangbar" abgestempelt, bereitet es mir heute große Freude die "Schwarzen" zu beangeln und die dabei entstehenden Emotionen aufzusaugen wie ein Schwamm.

Sicher fragt ihr euch, was diese Zeilen auf meiner Webseite zu suchen haben. Warum? ..eigentlich ganz einfach. 

Ich bin der Meinung, dass viele "Fischer" mehr Ahnung von der Fangmethode und Ausrüstung haben, als über den Fisch selbst den sie fangen möchten! Seit mehr als 10 Jahren befasse ich mich mit den Siluren. Lese viel und lerne dazu! Ich schildere meine Situation deshalb so genau, weil ich gerade in jüngerer Vergangenheit erfahren musste, dass nicht jeder dem Wels aus besagten Gründen nachstellt, sondern vielmehr deshalb, um damit vor Verwandten, Freunden und im Netz prahlen zu können!

 

Übrigens, was du hier liest, stammt von Sven Dombach (links) und Hannes Martin (rechts), zwei Freunde aus Deutschland. Sie sind genau wie ich leidenschaftliche Welsfischer mit langer Erfahrung!

 

 

Um das Rad nicht neu zu erfinden, darf ich mit Ihrer Zustimmung, ihren Artikel aus Cats Illustrated hier bei mir verwenden!

Sie sprechen mir aus der Seele!

 

Ein Besuch auf ihrer Webseite lohnt sich!

Diese "Angler" steigen beeindruckt von den Bildern und Filmen in den Medien in dieses für sie vorher unbekannte Hobby ein und wollen auf "Teufel-komm-raus" Rekordfische fangen. Nur die Grössten und Dicksten sollen es sein, natürlich mindestens 150 Zentimeter lang und wenn nicht, dann wenigstens gelb oder weiß. Einen Bezug zum Fisch und der Sache selbst, nämlich dem Angeln, haben diese Jungs nicht. Können sie aber auch nicht, da sie mit dem Zielfisch Wels von 0 auf 100 gestartet sind, ohne auch nur im Geringsten daran zu denken worauf es neben der richtigen Pose auf dem Foto noch ankommt.

Es geht ihnen nicht darum mit einer gestellten Falle einen urtümlichen Fisch zu fangen, sondern nur noch darum was das Maßband anzeigt. Obwohl auch kleinere Fische eine Bestätigung der Bemühungen sind, wird’s für die besagten "Hunter" erst ab 1,90m aufwärts interessant.

 

Krass und schade zugleich wie ich finde.

 

Generell denke ich, dass es natürlich nie zu spät ist in ein Hobby einzusteigen, auch nicht beim Angeln. Nur bin ich der Meinung, dass man, als unerfahrener Newby erst mal bei den Grundlagen anfangen sollte, um sich später am Wasser überhaupt helfen zu können. Was nutzt mir die teuerste Waller-Rute, wenn ich es nicht schaffe eine Brasse zu feedern oder einen Döbel unterm Busch rauszuzocken?

 

Außerdem denke ich, dass auf diesem Weg, die, ich nenne sie mal natürliche Wertigkeit von Fängen, viel eher in Fleisch und Blut übergeht.

 

Was ich damit sagen will ist, dass der Wels für mich schon immer DER Endgegner war, der beim Ausüben egal welcher Angelart seit meinen Kindertagen immer in meinem Hinterkopf umhergeisterte. Und ich glaube, dass sich diese Wertschätzung für diese Fischart erst dann so ausprägen kann, wenn man die typische Entwicklung mit der steten Steigerung von den Lauben über die Brassen und Rotaugen, Zander und Hechte, Karpfen und Schleien bis hin zum Silure durchlebt hat.

Jeder Fisch ist dann eine Besonderheit. Klar, ist mir ein 1,90+ auch lieber als ein 1,13m und ich würde lügen wenn ich das Gegenteil behaupten würde. Trotzdem weiß ich aber auch die weniger spektakulären Fänge richtig einzuordnen und freue mich darüber. Und genau das ist das, was manchem Neueinsteiger fehlt und ich finde diesen Zustand schade, denn sie werden die Passion "Silure" nie so lieben und leben können wie jemand, der den typischen Werdegang durchlebt hat.

 

Natürlich kann letztendlich jeder selbst entscheiden was er tut und vor allem wie und warum. Und das Letzte was ich mit diesen Zeilen erreichen möchte ist als Oberlehrer rüberzukommen. Ich möchte denen, die sich jetzt vielleicht angesprochen fühlen einfach den Rat geben, ihre Einstellung zu überdenken und ihr Tun gegebenenfalls zu ändern, um so ihr Hobby genauso auskosten zu können wie die Angler, die es schon immer waren…

 

Think about, it‘s your choice…

 

Hannes

Ich kann den Ausführungen von Hannes in vielen Punkten zustimmen und dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzu zufügen. Das Welsfischen ist in aller Munde und nie zuvor schien es so leicht zu sein einen Giganten zu fangen. Die Medien sind voll von tollen Fangbildern und eine Rekordmeldung wird sehr schnell durch eine noch größere „Bombe“ egalisiert. Das überwinden der 2m-Marke wird als normal wahrgenommen und das ist wie ich finde sehr schade. Nie zuvor fischten so viele Leute auf Wels und erstaunlicher Weise zählen zu den Welsfischern auch immer mehr Angelanfänger. Das finde ich sehr verwunderlich und ich möchte euch kurz erklären warum.

 

Mein anglerischer Werdegang begann als kleiner Junge an meinem Hausgewässer mit dem Stippen auf Rotaugen und ich habe in vielen Jahren Angelpraxis die unterschiedlichen Methoden kennengelernt und durfte dadurch viele, verschiedene Fischarten überlisten. Diese langsame Entwicklung, das Überdenken des Handelns und das ständige Setzen von neuen Zielen haben mir aus meiner heutigen Sicht heraus sehr viel gebracht und ich bin mir sicher, dass darin zu großen Anteilen meine recht erfolgreiche Welsjagd begründet liegt. Ich fühle mich in der Lage, mich den unterschiedlichsten Gegebenheiten am Wasser anzupassen und schaffe es meine anglerischen Schlüsse richtig zu ziehen. Ein einfaches Wort gibt das Gesagte perfekt wieder. ERFAHRUNG ist das Zauberwort die man immer dann in die Waagschale werfen kann, wenn es schwierig wird.

...fishing is my passion!
...fishing is my passion!

Ich bin der Meinung, dass sich insbesondere die jungen Fischer sich mehr Zeit lassen sollten. Es ist aus meiner Sicht der Sache nicht förderlich, sich bereits in jungen Jahren einer spezialisierten Angelart zu widmen. Das gilt nicht nur für das Welsfischen, sondern genauso für das Fliegenfischen, Karpfenfischen etc. Es ist wichtig zunächst eine breite, angelrische Basis zu legen und einen vielfältigen Erfahrungsschatz zu bilden. Dadurch schafft man sich eine komfortable Ausgangssituation und kann sich danach mit Erfolg einer spezialisierten Angelrichtung widmen. Dadurch lernt man neben den anglerischen Fertigkeiten eben auch persönliche Erfolge richtig auszukosten und vor allem auch richtig einzuordnen.

 

Also…lasst euch ein wenig Zeit. Es lohnt sich.

 

Sven Dombach