Im Namen des Vaters!


Bodensee
Bodensee

28. Aug. 2011 - Es ist ein Samstag und Ende des Monats August. Meine Frau Ingrid und ich sind bei Freunden in Lindau am Bodensee eingeladen. Gemeinsam versuchen wir das erste Mal auf dem “grossen See“ unser Glück auf den Wels. Es sollen ja da wahre Monster rum schwimmen!

 

Doch leider wird dieses Unterfangen durch eine Schlechtwetterfront mit Regen und starkem Wind beeinträchtigt.

Lindau
Lindau

Es sollte nicht sein, dass ich meinen ersten Wels aus dem Bodensee fangen darf und muss unser Vorhaben beenden. Im Hafen angekommen bemerken wir, dass ein kleines Fest im Gange ist. Ein Angelverein lädt mit Bier, Wurst und Musik zur Unterhaltung ein, was wir natürlich nicht abschlagen können. Das schlechte Wetter ist schnell vergessen und der Abend geht mit einem gemütlichen “Höck“ unter Fischer und Smalltalk dann auch einmal zu Ende. Fischtechnisch ein wenig enttäuscht, aber mit neuen netten Freunden im Gepäck fahren wir sonntagnachmittags wieder Richtung Heimat.

Sweet Home Murtensee
Sweet Home Murtensee

Kurz vor der Autobahnausfahrt Murten hat man einen schönen Blick auf “unseren“ Murtensee. Das Wetter ist inzwischen besser und hat sich beruhigt. Die Abendsonne glitzerte einladend auf das ruhige Wasser. Ingrid und ich schauen uns an und haben dieselben Gedanken! Es ist noch nicht zu spät, komm wir gehen noch schnell aufs Wasser und geniessen den wunderschönen Sonnenuntergang zu zweit. Gesagt, getan und kurze Zeit später sind wir auf dem Boot.

In naher Uferzone versuchen wir schnell noch ein paar Köderfische zu fangen. Es ist ja klar, dass dieser Abend, ohne den Versuch auf einen Fisch, nicht zu Ende gehen kann. Mittlerweile war die Sonne hinter dem “Mont Vully“ verschwunden und es wird langsam dunkel. Nun, es ist wie verhext! Das kann doch nicht sein, nur einen Köderfisch haben wir bis jetzt gefangen! Was ist los, dass gibt es nicht! Na gut, ich mache meine “Clonker“ bereit und bestücke den Haken mit diesem einem Rotauge. Inzwischen hat Ingrid doch noch ein Rotauge gefangen. “Zwei, ist besser als Einen“ sag ich zu ihr. Ok, let`s do it, wir haben jetzt im Minimum zwei Chancen um einen Wels zu fangen.

Ich hohle den Anker ein und lass uns treiben. Der Drift ist gut, führt uns geradewegs und langsam ins tiefe Wasser. Ich drücke Ingrid die Clonker in die Hand und spiele mit dem Wallerholz. Es dauert vielleicht eine Viertelstunde bis ich den ersten Handanschlag anbringen kann. “Biss“ und schon surrt die Bremse der Rolle! Souverän drillt Ingrid unseren ersten Wels des Wochenendes. Kein Monster, doch Ingrid hat Spass und freut sich riesig! Petri mein Schatz!

Erster Köder und schon ein Erfolg, Perfekt! Als ich die Rute mit unserem zweiten und letzten Köfi bestückte sagt Ingrid zu mir, “jetzt bist du an der Reihe, hole dir einen “Bolle“! - “Oh ja, versuchen wir es, einer geht noch“ klingt es aus meinem Mund, aber ich wechsle die Position auf die andere Seite des Sees.

Gemütlich fahren wir los unter einem wunderschönen, funkelnden Sternenhimmel in dieser Spätsommer Nacht.

 

In einer Tiefe von 15 Meter angekommen spiele ich wieder mit meinem Holz. Es dauert auch nicht lange, als sich in Grundnähe was bewegte. Das Echo ist gross und weiss sofort, dass ist ein Grosser! Mein Herzschlag ist auch schon an meinem Hals zu spüren! Jetzt, komm, ich will dich! Mein Köder arbeitet in einer Tiefe von 6 Meter ganz gut und behalte in auch dort. Der Wels muss steigen, ich gehe mit dem Köder nicht zu ihm! Das Spiel beginnt, ein paar Schläge mit dem Holz – er steigt – abwarten – er ist jetzt auf 10 Meter – geht wieder runter – wieder ein paar Töne – er kommt wieder – Ruhe herrscht, nur meinen Herzschlag klingt, so scheit es mir jedenfalls! Wahnsinn, er ist sehr gross! Der Bildschirm ist jetzt fixiert mit unseren Augen. Ingrid flüstert neben mir “das ist der Ignaz, komm hol in dir“ – “ja, dass ist Er“! – Ignaz? Der Wels hat einen Namen? Es mag komisch klingen und ist vielleicht ein wenig verrückt.

 

Es ist der Name von unseren geliebten Vater und Schwiegervater, der unverhofft im März von uns gegangen ist. Er liebte das Fischen und war oft mit mir auf dem Wasser!

 

Er ist immer in unsern im Herzen. So wohl auch in diesem Moment. – er steigt wieder auf – er kreist schon auf 8 Meter – jetzt; er ist gleich beim Köder – noch einen halben Meter – mein Köderfisch hat jetzt in Panik – er geht wieder runter – Nein, er verschwindet aus dem Echo – weiter klopfen – da ist er wieder – das Spiel geht weiter – er kommt und geht – er spielt ein Spiel! – ich mach mit – dann endlich – er kommt jetzt entschlossener – das Adrenalin ist steigt noch mehr – Biss – Handanschlag – Jawohl, sitzt! Der Kampf beginnt und die Cabo surrte erneut in die Nacht hinaus. Sofort wechsle ich in die Drill-Arena vorne im Boot, denn da bin ich frei und kann den Gigant perfekt kontrollieren und ausdrillen! Es ist einfach nur geil, diese Kraft und Masse zu fühlen am anderen Ende der Schnur!

Ein klassischer Welsdrill ist im Gange, mal kommt er, mal flüchtet er mit brachialen Schwanzschlägen, so dass die Rute hart arbeiten muss. Ich nehme es gelassen und plaudere mit Ingrid über die Grösse des Kämpfers. Zwei plus? Garantiert sage ich! “meinst du er ist es“? Langsam wird er jetzt müde und kommt hoch aus der Tiefe. Er ist da – ein massiger Schädel kommt zum Vorschein im Licht der Kopflampe! Ja, dass ist er – Ignaz! “Petri Dank“ klingt es von uns in die klare Nacht hinaus! Doch, noch ist er nicht im Boot. Beim zweiten Mal klappte es und kann ihn ins Boot hieven! Was für ein “Fisch“!

Nach kurzem Fotoshooting am Ufer, durfte unser “Sonntagsfisch“ mit einer Länge von 214cm und gut im Futter, zurück in seine Freiheit! Ein Wochenende das uns noch lange in Erinnerung bleibt, und wohl nie vergessen geht! Denn, auf der Rückfahrt erfahre ich von Ingrid folgendes: “Weisst du, als wir den Stellungswechsel machten, habe ich in den Sternenhimmel geschaut und zu Papa gesprochen, er möge uns jetzt einen richtigen Grossen schenken!“ – und siehe da, manchmal passiert es einfach so!

 

Im Namen des Vaters, Petri Dank!

Ignaz Zumstein R.I.P. 24. März 2011
Ignaz Zumstein R.I.P. 24. März 2011

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