Echolot - Der Live-Kanal auf dem Boot!


Autor Thomas (Silu) Bula, aus Cats Illustrated Ausgabe 11/Juli 2015
Autor Thomas (Silu) Bula, aus Cats Illustrated Ausgabe 11/Juli 2015

Beim modernen Angeln ist das Echolot nicht mehr wegzudenken. Ein Hilfsmittel, das so wichtig ist wie die Ruten- und Köderwahl, oder eine angemessene Bootsmotorisierung. Anders gesagt, es ist entscheidend, um beim Angeln mehr Erfolge zu verbuchen.

 

Gerade beim Welsangeln kommt man praktisch nicht mehr ohne Echolot aus. Wo soll ich meinen Köder platzieren? Wie tief ist es hier? Was für eine Bodenstruktur habe ich? Hat es Fische? Hat es versunkene Bäume? Wassertemperatur?

 

Eine Antwor t auf all diese Fragen kann dir das Echolot geben. Ein Blick auf den Bildschirm genügt und wir wissen es in Sekunden! Ein Vor teil der Superlative, ganz klar. Ohne Echolot würden wir meist im Dunkeln tappen.


DIE GESCHICHTE DES ECHOLOTS.

Echolote wurden ursprünglich für mlitärische Zwecke entwickelt. Die Marine stand vor dem Problem, dass sich feindliche U-Boote unentdeckt ihren Booten nähern konnten, um sie dann zu torpedieren. Um diese unsichtbaren Gegner aufspüren zu können, wurden Echolote entwickelt und eingesetzt.

 

Viele von euch werden den Film »Das Boot« gesehen haben und sich an die Geräusche erinnern, die im Innern des U-Bootes zu hören waren, als die Schallwellen des feindlichen Echolotes auf das U-Boot trafen. Für das Militär war ein entscheidender Schritt gelungen, denn der bisher unsichtbare Gegner wurde plötzlich sichtbar und konnte gezielt bekämpft werden.

Nimm dir die Zeit auf dem Wasser um div. Einstellungen zu testen.
Nimm dir die Zeit auf dem Wasser um div. Einstellungen zu testen.
Reges Treiben unter dem Boot.
Reges Treiben unter dem Boot.

Nach der militärischen Nutzung, machten sich die kommerziellen Fischfangflotten daran, diese Technologie für ihre Aufgaben einzusetzen. Auch der berufsmäßige Fischfang stand vor der Herausforderung, auf den riesigen Wasserflächen der Meere Fischschwärme zu finden. Über Generationen erworbene Erfahrungen und Kenntnisse über

 

Gebiete mit hoher Fischdichte, waren vor dem Echolotzeitalter der Schlüssel zum Erfolg. Der Einsatz von Echoloten revolutionierte die Berufsfischerei und es gibt wohl zwischenzeitlich kein Fischerboot, das nicht über ein Echolot verfügt.


Der nächste Schritt war dann die technische Umsetzung für den Freizeitbereich. Hier wuchs sehr schnell das Interesse an diesen elektronischen Geräten. Sportbootfahrer waren so in der Lage, rechtzeitig Untiefen zu erkennen und so ihr Boot vor Schaden zu bewahren. Aber ganz besonders den Anglern eröffneten sich ganz neue Einsichten in die Unterwasserwelt. Ab diesem Moment war der Siegeszug von Echoloten, auch Fischfinder oder Sonar genannt, nicht mehr aufzuhalten. Die zu Anfang noch sündhaft teuren Geräte wurden aufgrund der wachsenden Nachfrage in immer höheren Stückzahlen produziert, was wiederum stark sinkende Preise zur Folge hatte und hat. Zwischenzeitlich sind Echolote auch für den Freizeitangler durchaus finanzierbar und tausende von Anglern setzen die Geräte erfolgreich ein.

Räuber unter dem Boot.
Räuber unter dem Boot.

WELCHES GERÄT IST DAS RICHTIGE FÜR MICH?

Viele versprechen sich von der Neuanschaffung, dass das Echolot (Fishfinder) die Fische anzeigt und man dann nur noch den Köder vor dem Maul des georteten Fisches platzieren muss. Doch so einfach ist es in der Regel nicht - auch für das Angeln mit Hilfe eines Echolotes gilt «gewusst wie”.Denn die richtige Interpretation der Bilddaten ist manchmal gar nicht so einfach.

Ob Vertikal- oder Klopfmontage, ohne Echolot tappst du im Dunkeln!
Ob Vertikal- oder Klopfmontage, ohne Echolot tappst du im Dunkeln!

DIE QUAL DER WAHL

Humminbird, Eagle, Garmin und Co. – was soll ich jetzt kaufen? Vor dem

 

Kauf eines neuen oder gebrauchten Echolotes sollte man sich vorher Gedanken machen, welche Ausstattung die richtige Wahl ist. Portable oder festeingebaute Geräte oder Lösungen, bei denen das Signal per Funk an das Display gesendet wird, sind nur einige Beispiele. Vor allem aber das Thema des Einsatzgebietes, die Sendeleistung und die eigenen Anforderungen und Wünsche sind ganz wichtig. Die Sendeleistung gibt die maximale Messtiefe vor. Niedrige Frequenzbereiche (50 kHz) erreichen größere Tiefen. Ohne vorherige Recherche wird man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Daher empfehle ich euch, vor dem Kauf Rat einzuholen und gut zu überlegen, was das Echolot alles für Funktionen haben sollte. Brauche ich wirklich GPS, Kartenplotter o.Ä.?

 

Mein Echolot ist ein Lowrance HDS 5x (neu ab 2016 Humminbird Helix 7), ein einfaches Modell ohne großen Schnickschnack. Für meine Anwendungen und Bedürfnisse reicht es völlig aus. Die Tipps und Einstellungen, die ich im Folgenden schildere, geltenfür alle Echolote. Unabhängig vorm Hersteller werdet ihr die Einstellungen im Grundmenü eures Sonars finden und einstellen können.


EIN SPANNENDER THRILLER, BEI DEM DU DIE REGIE FÜHRST

Oktober - die Sonne verschwindet langsam am Horizont. Ich befinde mich auf dem See und möchte eine Runde mit dem Wallerholz spielen. Gerade in den Herbstmonaten ist das Klopfen auf den Wels vielversprechend. Nachdem ich den Spot erreicht habe, bestücke ich meine Rute mit einem Köderfisch und lasse ihn in die Tiefe gleiten. Der kurze Blick aufs Echolot verrät mir wo er sich befindet. Zwei dünne, horizontale Linien auf neun MeterTiefe erscheinen auf dem Bildschirm. Die erste Linie ist das Klopfblei, die zweite knapp darunter ist der Köderfisch.

 

Um überhaupt diese Linien auf dem Echolot zu sehen muss man so nah als möglich beim Sender (Geber) angeln. Nur so hat man eine präzise Angabe auf dem Schirm. Der Geber, der unterhalb der Wasserlinie montiert wird, sendet trichterförmig nach unten gerichtete Schallwellen ins Wasser. Treffen diese auf einen Gegenstand, wird das Signal reflektiert. Diese reflektierten Signale werden wiederum vom Geber erfasst. Der Geber hat somit die Aufgabe, Schallwellen auszusenden und zu empfangen.

 

Das Echolot errechnet nun aus der vergangenen Zeit zwischen Schallwellenaus- und -eingang sowie der Signalintensität die Tiefe und die Struktur eines georteten Gegenstands. Diese Daten werden aufbereitet und auf dem Bildschirm dargestellt. Aus diesem Grunde könnt Ihr erkennen, wie der Untergrund beschaffen ist und in welcher Tiefe sich Fische aufhalten.

Fische sind da.
Fische sind da.

Jetzt schlage ich ein paar Mal mit dem Holz und warte erstmal ab was passiert. Wenn sich ein Wels in der Nähe befindet, dann werde ich ihnauf dem Echolot sehen – sofern er Interesse zeigt und zum Köder schwimmt…

 

Meistens steigt er vom Grund hoch zum Köder, respektive genau dorthin wo das Wallerholz seine Töne hinterlässt. Es kommt auch schon mal vor, dass sich ein Wels im Mittelwasser bewegt und sich von der Seite her kommend, überraschend schnell ohne große Vorankündigung den Köder schnappt. Um solche Überraschungen zu verringern, habe ich bei meinem Echolot die Bildschirmteilung 83/200 kHz an.

 

Ich angele seit einiger Zeit mit 83 (ca. 60°) und 200kHz (zirka 20°). 83kHz arbeiten im flachen Wasser bis 30 Meter sehr gut. Man hat mit 83kHz einen größeren Kegel. In den Ortungen habe ich kaum Unterschiede bemerkt. Mal ist die eine Frequenz überlegen, mal die andere. Manchmal sehe ich den Fisch auf 83kHz und nicht auf 200kHz und umgekehrt. Was mir aufgefallen ist, dass ich Fische, die im Mittelwasser seitwärts unters Boot schwimmen, viel eher in der 83 kHz Anzeige sehe.


(klicke die Bilder von links nach rechts an)

Nach ein paar Minuten weiß ich, ob es einen Wels in der Nähe hat. Wenn ich nach drei bis vier Klopf – Interwallen, meistens mit drei bis fünf Schlägen pro Interwall, keinen Steiger oder sonstige Aktivität merke, verschiebe ich um ein paar hundert Meter. Je nach Drift in tieferes oder seichteres Wasser und beginne das Spiel von vorn. Gespannt verfolge ich das Geschehen auf dem Bildschirm, der mir die Szenerie von rechts nach links immer wieder darstellt.

 

Man spricht vom Bildlauf oder der sogenannten Scrollgeschwindigkeit.

 

Der Bildlauf (Scrollgeschwindigkeit) spielt eine große Rolle bei der optimalen Anzeige. Sind wir mit unserem Boot sehr schnell unterwegs, können wir die Scrollgeschwindigkeit ruhig ein wenig höher stellen, da uns dann evtl. Ziele oder Fische klarer gezeigt werden. Machen wir dieses aber bei einem langsam fahrenden oder dahin driftenden Boot, so wird unsere Anzeige so miserabel, dass sie keine vernünftige Deutung zulässt. Fischsicheln werden in die Länge gezogen und das Bild unscharf.

 

Stellen wir allerdings unsere Scrollgeschwindigkeit zu gering ein, so werden oft Fische erst gar nicht bzw. nur als kleiner Punkt angezeigt. Somit ist wichtig, dass die Scrollgeschwindigkeit unserer Bootsgeschwindigkeit angepasst wird. Alles in allem kann man aber sagen, dass bei einem HDS die ab Werk festgelegte Geschwindigkeit recht gut eingestellt ist und für die meisten Situationen vollkommen ausreicht.

Genauso wichtig ist auch die Pinggeschwindigkeit. Der Ping besagt, wie oft hintereinander Schallwellen ins Wasser gesendet werden. Allein hieraus können wir schon ableiten, dass eine hohe Ping-Geschwindigkeit bei hoher Bootsgeschwindigkeit zum Tragen kommt, denn eine schnell aufeinanderfolgende Sendung erlaubt dem Gerät auch bei hohen Geschwindigkeiten z.B. Grundkontakt zu halten.

 

Dementsprechend sollten wir die Pinggeschwindigkeit nach unten regeln, wenn wir uns nur langsam bewegen oder sogar vor Anker liegen. Auch können durch einen zu hoch eingestellten Ping Störungen in der Anzeige hervorgerufen werden. Hier sollte man abermals durch ein Runterregeln die optimale Geschwindigkeit suchen.

Es tut sich was unter meinem Boot.

 

Eine steigende, dicke Linie erscheint auf dem Bildschirm. Tatsächlich habe ich einen Wels neugierig gemacht, der sich langsam an die Oberfläche wagt. Ich beobachte ihn genau bei dem was er macht. Solange er zum Köder steigt klopfe ich nicht mehr. Bleibt er aber auf halber Strecke stehen, dann musiziere ich weiter mit dem Holz. Er steigt weiter. Anhand der dicke des Echos (Linie) kann ich seine Grösse schon erahnen. Es ist ein guter Fisch, der da kommt. Zwei Meter könnte er haben, denke ich.

Wird er den Köder nehmen?
Wird er den Köder nehmen?

Sichel (Linie) oder Fish-ID? Fischsymbole sehen zwar schön aus und werden meist auch in verschiedenen Größen dargestellt, sind aber aus meiner Sicht wirklich nur etwas für den Echolotneuling. Warum ich so denke?

 

Fischsymbole sind das Ergebnis von einem Rechnerprogramm, das Roh- Echos in Fischsymbole umwandelt.

 

Bei dieser Umwandlung bleiben jedoch viele Informationen auf der Strecke. Noch schlimmer ist, dass manche Dinge vom Rechnerprogramm falsch interpretiert werden.

 

Falschanzeigen sind dann die Folge.

 

Das Boot muss den Fisch möglichst direkt überqueren, damit eine optimale Sichel erscheint. Ist der geortete Fisch seitlich vom Boot, entsteht eine

unvollkommene Sichel.

Mit der Sichelanzeige seid ihr in der Lage, einen im Geberwinkel geführten Köder zu erkennen. Besonders beim Pilken und Vertikalangeln ist diese Möglichkeit von größter Bedeutung.



Aber auch Wallerangler schwören auf die Fischsichelanzeige. Beim Welsangeln mit dem Holz und Köderpräsentation unter dem Boot erkennen die Cracks dann ihren Köder als durchgehende Linie. Ein steigender Wels wird als große Sichel dargestellt, die sich dem Köder (Linie) nähert. Mit etwas Erfahrung sind sogar Rückschlüsse auf die geortete Fischart möglich. Zander ergeben beispielsweise eine sehr spitze Sichelform.

Abwarten und richtig interpretieren.
Abwarten und richtig interpretieren.

Jetzt ist er dann bald bei meinem Köder. Immer wieder ein paar Schläge

– abwarten und beobachten… Mein Herzschlag steigt, denn er ist gleich beim Köder. Ein Meter noch…BOOM, ein kräftiges Ziehen an der Schur in meiner Hand verrät mir, dass er gebissen hat. Danach geht alles automatisch – kurzer Anschlag mit der Hand und los geht der Drill.

 

Wie es ausgeht, seht ihr im nachfolgenden Film!

 

Nun, man könnte noch seitenweise übers Echolot schreiben. Aber ich begnüge mich jetzt auf diese paar »Einsteiger - Tipps« für Echolot Neulinge. Natürlich will jeder das Maximale aus einem Trip herausholen. Das Echolot kann dabei unheimlich wertvolle Dienste erweisen. Aber man muss sich auch immer erst einmal in die Materie einarbeiten.

 

Ohne Fleiß gibt’s auch mit dem Echolot keinen Preis.

 

Und Fleiß darf immer auch belohnt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Ich wünsche euch allen ein "digges" Petri am Wasser!


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Echolot - Der Live-Kanal auf dem Boot!
Das Echolot ist einer der grundlegenden Ausrüstungsgegenstände des modernen Welsangelns. Es gibt Aufschluss über die Wassertiefe, die Bodenstruktur, Hindernisse, Aufenthaltsplätze der Fische und diverse andere fangentscheidende Details, die den Unterschied ausmachen und dem Glück auf die Sprünge helfen.
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